2. Einem Experten zuhören und ihm Fragen stellen

Auch wenn uns das die Pädagogen seit Jahrhunderten weismachen wollen: Es gibt kein Wissensgedächtnis. Die Aufgabe des Gehirns ist es, Nervenzellen dazu zu bringen, zusammenzuarbeiten. Jede Vernetzung zwischen Nervenzellen entspricht einer Kompetenz. Wunderbar ist es, wie eine solche Kompetenz entsteht: durch Fragen, Zuschauen und Spielen, nie durch Auswendiglernen.

2.1. Experten berichten aus ihrer Erfahrung ...

Ein Erfahrungsbericht macht "Knowhow" sichtbar. Dieser englische Begriff "Gewusst wie" ist grundsätzlich etwas anderes als Wissen. Die Lernenden werden angehalten, keine Informationen mitzuschreiben, sondern nur Fragen, die ihnen dabei spontan einfallen.

2.2. Information ist immer die Antwort auf eine gestellte Frage ...

Fragen rufen nicht nur das Wissen, sondern vor allem das Nicht-Wissen ab. Das ist leicht überprüfbar. Wenn man auf eine Frage reagieren soll, muss man nachdenken, was man davon weiß. Wenn man dagegen auf eine Erklärung reagieren soll, wird im Gehirn nur abgerufen: "Weiß ich schon!" oder "Weiß ich nicht!"
Sir Karl Popper sagte über unsere Schulen: "In der Schule werden dauernd Antworten gegeben auf Fragen, die nie gestellt worden sind. Und die Fragen der Schüler hört man nicht!"

2.3. Erstellung eines Umsetzungskonzeptes ...

"Natürlich Lernen" erfordert, dass die Klasse/Lerngruppe fähig ist, eine Aktion durchzuführen, in der sie ihre neu gewonnenen Kompetenzen anwendet. Es gibt kein wirkliches Lernen, bis die Aktion durchgeführt und über sie reflektiert worden ist. Denn niemand kann sich sicher sein, dass seine Ideen richtig und seine Fähigkeiten effektiv sind, bis diese umgesetzt worden sind.

Für das Umsetzungskonzept dieser jetzt zu planenden Aktion müssen alle auftauchenden Gedanken vernetzt werden. Es gibt dazu eine Vielzahl von Methoden. Unsere Vorbilder kommen vor allem aus der lateinamerikanischen Pädagogik von Paolo Freire und aus den USA (TOC).

Es ist auch für uns immer wieder erstaunlich, wie Lernende jeder Altersstufe in dieser Lernphase plötzlich fähig werden, komplexe Aufgabenstellungen zu bearbeiten, ohne sich vorher fertiges Wissen angeeignet zu haben.